Bretzenheim-Winzenheim

Das Lager Bretzenheim-Winzenheim (PWTE A6)

Offi­zi­el­le Bezeich­nung: Pri­so­ner of War Tem­pora­ry Enclo­sure A6
Geplan­te Kapa­zi­tät: 100.000
Exis­tenz­dau­er: Ende April 1945 bis 10. Juli 1945 unter ame­ri­ka­ni­scher Auf­sicht, danach bis zum 31. Dezem­ber 1948 unter fran­zö­si­scher Kon­trol­le.
Ansprech­part­ner vor Ort: Doku­men­ta­ti­ons­zen­trum und Aus­stel­lung Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­ger Bret­zen­heim bei Bad Kreuz­nach „Altes Amts­haus“ | Gro­ße Stra­ße 12 | 55559 Bretzenheim/Nahe. Ein Besuch ist nach Rück­spra­che mit dem Lei­ter Wolf­gang Spietz jeder­zeit mög­lich. Kon­takt und Post­an­schrift: Am Sport­platz 8 | 55559 Bretzenheim/Nahe | Tele­fon: 0671–33245 | Fax: 0671–29552 | E-Mail: spietz-w@web.de

Rheinwiesenlager im Nahetal_PWTE

Im Nahe­tal errich­te­ten die US-ame­ri­ka­ni­schen Trup­pen in unmit­tel­ba­rer Nähe meh­rere Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­ger in Bad Kreuz­nach (PWTE A3), Bret­zen­heim (PWTE A6), Bie­bels­heim (PWTE A7) und in Die­t­ers­heim (PWTE A8). Quel­le: Ver­mes­sungs– und Katas­ter­amt Rhein­land-Pfalz in Zusam­men­ar­beit mit dem Doku­men­ta­ti­ons­zen­trum Bret­zen­heim.

Aufbau und Struktur des Lagers

Zwi­schen Bret­zen­heim und Win­zen­heim – bei­de Namen wer­den in den Quel­len für die­ses Lager genannt – wur­de von den US-Trup­pen im April 1945 eines der größ­ten und das am längs­ten bestehen­de Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­ger errich­tet. Auf etwa vier Qua­drat­ki­lo­me­tern wur­den nur weni­ge Meter von der heu­ti­gen Bun­des­stra­ße 48 zwi­schen Bad Kreuz­nach und Bret­zen­heim, an Bret­zen­heim vor­bei bis Lan­gen­lons­heim mit hohem Sta­chel­draht unter frei­em Him­mel 24 Cages ein­ge­teilt, Wach­tür­me, Tore und eine inne­re Lager­stra­ße gebaut und Grä­ben für Was­ser­lei­tun­gen gezo­gen. Das Lager war für 100.000 Gefan­ge­ne aus­ge­legt, jedoch muss­ten zeit­wei­se bis zu 110.000 Gefan­ge­ne dort unter­ge­bracht wer­den. Beim Bau der Gebäu-de für die Ver­wal­tung, die Lager­kom­man­dan­tur, die deut­sche Lager­po­li­zei und die Küchen wur­den auch Kriegs­ge­fan­ge­ne aus dem nahen Lager in Bad Kreuz­nach ein­ge­setzt.
Die ers­ten Kriegs­ge­fan­ge­nen wur­den ab Mit­te April 1945 auf die Äcker von Bret­zen­heim gebracht. Vie­le wei­te­re Trans­por­te kamen am Bahn­hof in Bad Kreuz­nach, an der Bahn­stre­cke zwi­schen Bin­ger­brück und Bret­zen­heim an. Bis in das Lager muss­ten die Gefan­ge­nen zu Fuß gehen. Von Rüdes­heim am Rhein lie­fen Gefan­ge­ne ca. 14 Kilo­me­ter über eine Pon­ton­brü­cke bis in das Lager; ande­re wur­den mit LKW direkt gebracht. Dies geschah, obwohl das Lager selbst noch nicht fer­tig errich­tet war. Die ober­ir­di­schen Was­ser­lei­tun­gen vom Gul­den­bach und der Nahe funk­tio­nier­ten zum Bei­spiel erst im Lau­fe der ers­ten Mai­hälf­te. Dies führ­te zu zunächst völ­lig unzu­rei­chen­den hygie­ni­schen Bedin­gun­gen im Lager und erschwer­te auch die Ver­sor­gung mit Trink­was­ser.

In Bret­zen­heim waren alle Waf­fen­gat­tun­gen der deut­schen Wehr­macht, SS-Ange­hö­ri­ge und auch uni­for­mier­te oder ander­wei­tig ver­däch­ti­ge Zivi­lis­ten inter­niert. Im dor­ti­gen Lager wur­de ein eige­ner Bereich für jugend­li­che Gefan­ge­ne, SS-Ange­hö­ri­ge, für Sol­da­ten und Offi­zie­re sowie für Wehr­machts­an­ge­hö­ri­ge der ver­schie­de­nen Natio­nen ein­ge­rich­tet, die auf deut­scher Sei­te gekämpft hat­ten, wie etwa Hol­län­der, Öster­rei­cher, Ungarn und ande­re. Die gefan­gen genom­me­nen Frau­en wur­den eben­falls sepa­riert und spä­ter in Zel­ten unter­ge­bracht. Genaue Grö­ßen­an­ga­ben sind für die ver­schie­de­nen Grup­pen nicht bekannt. Als höchs­te Anzahl weib­li­cher Kriegs­ge­fan­ge­ner sind für den 21. Juni 1945 1091 Frau­en in Bret­zen­heim nach­ge­wie­sen.

Lebensbedingungen im Kriegsgefangenenlager Bretzenheim

Alle Gefan­ge­nen in Bret­zen­heim lit­ten wie in den ande­ren Rhein­wie­sen­la­gern unter den kata­stro­pha­len Bedin­gun­gen. Kör­per­lich und see­lisch erschöpft ver­such­ten sie, die Zeit zu über­ste­hen. Die Ver­sor­gung mit Lebens­mit­teln war nicht aus­rei­chend, erst Mit­te Mai wur­de zum Bei­spiel das ers­te Brot in Bret­zen­heim aus­ge­ge­ben. Die Inter­nier­ten wur­den krank, da sie unter frei­em Him­mel schutz­los der Wit­te­rung aus­ge­setzt waren. Als Toi­let­ten stan­den ihnen nur Gru­ben (Latri­nen­grä­ben) zur Ver­fü­gung. Was­ser zum Trin­ken und Waschen erhiel­ten sie in den ers­ten Wochen mit einem Tank­wa­gen aus den nahen Flüs­sen, nach­dem es stark gechlort wor­den war. Die Gefan­ge­nen muss­ten lan­ge anste­hen, um ihren Durst stil­len zu kön­nen. Beson­ders in den hei­ßen Som­mer­mo­na­ten war dies eine Qual.

Geschnitzer Löffel

Von einem Gefan­ge­nen im Lager Bret­zen­heim geschnitz­ter Löf­fel, Mai 1945, Quel­le: Doku­men­ta­ti­ons­zen­trum Bret­zen­heim.

Eini­ge der Kriegs­ge­fan­ge­nen wur­den für Arbeits­kom­man­dos aus­ge­wählt. Dies been­de­te das belas­ten­de Nichts­tun, brach­te die sehr begehr­te dop­pel­te Essens­ra­ti­on ein und erlaub­te den Kon­takt zu deut­schen Zivi­lis­ten außer­halb des Lagers. Zunächst wur­den die Gefan­ge­nen beim wei­te­ren Auf­bau des Lagers ein­ge­setzt, spä­ter auch in den Wein­ber­gen der Umge­bung oder es han­del­te sich um Diens­te für die ame­ri­ka­ni­schen Ein­hei­ten. Immer wie­der wird berich­tet, dass Lebens­mit­tel, Holz und ande­re benö­tig­te Din­ge wie Pap­pe zum Aus­klei­den der Erd­lö­cher in das Lager geschmug­gelt wer­den konn­ten. Eine ande­re Mög­lich­keit der Ver­sor­gung war der Schwarz­han­del mit den ame­ri­ka­ni­schen Wach­leu­ten aber auch mit ande­ren deut­schen Gefan­ge­nen.

Offi­zi­ell herrsch­te Post­sper­re, die in Bret­zen­heim aller­dings durch den Brief­schmug­gel eines ortan­säs­si­gen Bau­ern gele­gent­lich umgan­gen wur­de. Der Mann durf­te in das Lager kom­men, um Gras für sei­ne Tie­re zu mähen, und nahm dabei Schrei­ben der Gefan­ge­nen an. Gene­rell gab es in Bret­zen­heim offen­bar mehr Kon­takt zu der Bevöl­ke­rung in der nahen Umge­bung als in ande­ren, stren­ger abge­rie­gel­ten Lagern. So sind auch wei­te­re Inter­ak­tio­nen mit Bau­ern an den Lager­gren­zen belegt. Offen­bar ver­such­ten unter ande­rem auch Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge der Gefan­ge­nen, als Land­ar­bei­ter ver­klei­det, mit ihren Ehe­män­nern, Söh­nen oder Brü­dern zu spre­chen. Bereits auf dem Fuß­marsch vom Bahn­hof zum Lager ver­such­ten die Bewoh­ner der umlie­gen­den Dör­fer zudem, den Gefan­ge­nen Lebens­mit­tel zuzu­ste­cken, obwohl das von ame­ri­ka­ni­schen Sol­da­ten unter­bun­den wur­de und von offi­zi­el­ler Sei­te sogar ver­bo­ten war. Für den 6. Mai 1945 berich­ten den­noch ehe­ma­li­ge Gefan­ge­ne etwa von einer Art ‚Völ­ker­wan­de­rung‘, bei der zahl­rei­che Bür­ger aus der Umge­bung Lebens mit­tel in das Lager brach­ten. Die über­lie­fer­ten Reak­tio­nen von ame­ri­ka­ni­schen Sol­da­ten in Bret­zen­heim sind viel­fäl­tig: Man­che lie­ßen die Über­ga­be an den Zäu­nen zu oder rie­fen gar ein­zel­ne Gefan­ge­ne an den Zaun, wenn die­se etwas erhal­ten soll­ten. Sie setz­ten sich dabei über das zu Anfang herr­schen­de Kon­takt­ver­bot zwi­schen Bewa­chern und Gefan­ge­nen hin­weg. Ande­re ver­haf­te­ten oder ver­jag­ten die Über­brin­ger und ein Mann wur­de sogar erschos­sen. Auf­fäl­lig ist, dass spe­zi­ell dun­kel­häu­ti­ge ame­ri­ka­ni­sche Wach­pos­ten von den Kriegs­ge­fan­ge­nen in Bret­zen­heim als beson­ders freund­lich beschrie­ben wur­den. Nach der Über­nah­me des Lagers am 10. Juli 1945 durch die fran­zö­si­sche Mili­tär­re­gie­rung, befahl die­se, dass der Kreis Bad Kreuz­nach für die Lebens­mit­tel­ver­sor­gung in den Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­gern – und damit auch für die Ver­pfle­gung und Unter­brin­gung der fran­zö­si­schen Wach­mann­schaf­ten – sor­gen müs­se.

Wachturm Bretzenheim

Wach­turm im Lager Bret­zen­heim. Im Hin­ter­grund ist durch Sta­chel­draht­zaun
getrennt die katho­li­sche Kir­che von Bret­zen­heim zu sehen. Zeich­nung
eines Gefan­ge­nen, Juli 1945. Quel­le: Doku­men­ta­ti­ons­zen­trum Bret­zen­heim.

Obwohl die Lager zu die­sem Zeit­punkt bereits stark ver­klei­nert waren, stell­te dies eine gro­ße Her­aus­for­de­rung für die Bevöl­ke­rung im Umkreis dar. Da Frank­reich stark durch den Krieg zer­stört und durch die deut­sche Besat­zung aus­ge­plün­dert wor­den war, konn­te es die Ver­pfle­gung der Män­ner nicht sicher­stel­len. Im Okto­ber 1945 schick­te die ame­ri­ka­ni­sche Mili­tär­re­gie­rung daher wei­te­re Lebens­mit­tel­ra­tio­nen nach Bret­zen­heim.

Die Kriegs­ge­fan­ge­nen ver­such­ten auch in Bret­zen­heim Struk­tur in den ein­tö­ni­gen All­tag zu brin­gen und Abwechs­lun­gen zu schaf­fen: Es gab Got­tes­diens­te und Bibel­stun­den, es haben sich Gedich­te aus Bret­zen­heim erhal­ten und die Gefan­ge­nen bil­de­ten offen­bar beson­ders vie­le Chö­re, so dass ihr Gesang bis in die Nach­bar­dör­fer zu hören gewe­sen sein soll. Aber auch Kon­zer­te mit pro­fes­sio­nel­len Sän­gern, die sich unter den Gefan­ge­nen fan­den, wur­den im Lager orga­ni­siert, die dann in den ver­schie­de­nen Camp­tei­len auf­tra­ten. Eini­ge Gefan­ge­ne grün­de­ten unter dem Musik­clown Fyp­si­lon, d.i. Fritz Schuler, im Lager die Künst­ler­grup­pe „Die Opti­mis­ten“.

Beson­ders der leh­mi­ge Boden mach­te den Bret­zen­hei­mer Gefan­ge­nen nach star­ken Regen­fäl­len in der ers­ten Woche im Mai zu schaf­fen. Erst nach der Über­nah­me des Lagers durch die fran­zö­si­schen Streit­kräf­te im Juli 1945 konn­ten für alle Gefan­ge­ne Zel­te zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. Zur medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung wur­de ein Laza­rett­zelt errich­tet, das Platz für meh­re­re Hun­dert Pati­en­ten bot. Aller­dings stand kaum aus­rei­chend Medi­zin und tech­ni­sches Gerät zur Ver­fü­gung. Beson­ders schlim­me Fäl­le wur­den daher in Laza­ret­te und Kran­ken­häu­ser der Umge­bung gebracht, wie etwa nach Bad Kreuz­nach oder Idstein. Ver­läss­li­che Todes­zah­len gibt es für das Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­ger Bret­zen­heim
wäh­rend der ame­ri­ka­ni­schen Zeit nicht, geschätzt 3.500 bis 4.500 Gefan­ge­ne sol­len dort gestor­ben sein. Die Toten des Lagers wur­den auf den Sol­da­ten­fried­hö­fen in Bad Kreuz­nach (‚Gal­gen­berg‘) und nahe Strom­berg bestat­tet. Heu­te lie­gen sie nach einer Umbet­tung in den 1950er Jah­ren auf dem „Ehren­fried­hof Lohrerwald“ bei Bad Kreuz­nach, bei Koblenz und in Pfaf­fen­heck.

Bretzenheim als französisches Durchgangslager

Am 10. Juli 1945 über­nah­men die fran­zö­si­schen Streit­kräf­te die Füh­rung des Lagers und benann­ten es in Dépôt de tran­sit No. 1 (‚Durch­gangs­lan­ger Nr. 1‘) um. Die Ame­ri­ka­ner über­ga­ben das Lager Bret­zen­heim und die zu die­sem Zeit­punkt 17.200 Gefan­ge­nen zusam­men mit den Lagern Sin­zig, Siers­hahn, Ander­nach, Die­ters­heim, Koblenz, Hechts­heim und Diez an die Fran­zo­sen. Zahl­rei­che Gefan­ge­ne waren bereits in zwei gro­ßen Wel­len von der ame­ri­ka­ni­schen Lager­ver­wal­tung ent­las­sen oder in ande­re Lager ver­legt wor­den; wei­te­re folg­ten auf Befehl der fran­zö­si­schen Lager­lei­tung. Beson­ders Jugend­li­che, Frau­en, Alte und Kriegs­ver­sehr­te konn­ten so auf fran­zö­si­sche Ent­schei­dung hin wie­der in ihre Hei­mat zurück­keh­ren. Die meis­ten der arbeits­fä­hi­gen Män­ner wur­den aber von Bret­zen­heim aus nach Frank­reich zu Repa­ra­ti­ons­ar­bei­ten geschickt. Eini­ge hat­ten sich auch für die Frem­den­le­gi­on gemel­det, die in Bret­zen­heim ein Wer­bungs­bü­ro unter­hielt. So sank die Zahl der Gefan­ge­nen immer wei­ter und die fran­zö­si­sche Lei­tung konn­te das Lager von ehe­mals über 20 Cages auf neun ver­klei­nern. Flä­chen, die nicht mehr benö­tigt wur­den, konn­ten an die Bau­ern zurück­ge­ge­ben wer­den.

Bretzenheim als ausgebautes Lager

Aus­ge­bau­te Bara­cke im Lager Bret­zen­heim, nach 1946, Quel­le: Doku­men­ta­ti­ons­zen­trum Bret­zen­heim.

Dokumentationszentrum Bretzenheim
Doku­men­ta­ti­ons­zen­trum Bret­zen­heim
Dokumentationszentrum Bretzenheim
Doku­men­ta­ti­ons­zen­trum Bret­zen­heim
Dokumentationszentrum Bretzenheim
Doku­men­ta­ti­ons­zen­trum Bret­zen­heim
Ausgebaute Baracke im Lager Bretzenheim, nach 1946, Quelle: Dokumentationszentrum Bretzenheim.

Nach der Über­ga­be an die fran­zö­si­sche Mili­tär­ver­wal­tung wur­de das Lager aus­ge­baut: Sani­tä­re Anla­gen wur­den ein­ge­rich­tet und wei­te­re Feld­kü­chen orga­ni­siert. Alle Gefan­ge­nen erhiel­ten bis Ende Sep­tem­ber 1945 Zel­te und ab Novem­ber 1945 wur­den Bara­cken auf­ge­stellt. Des­wei­te­ren ent­stan­den eine Kapel­le, ein Ver­samm­lungs­raum, ein Sport­platz und ein Schwimm­be­cken, das 1947 gebaut wur­de. Eine Lager­nor­ma­li­tät setz­te lang­sam ein, was sich auch am Aus­bau des Bil­dungs­an­ge­bots in Bret­zen­heim zeigte.Unterrichtsgruppen wur­den gegrün­det, die Fort­bil­dungs­mög­lich­kei­ten in den ver­schie­dens­ten Berei­chen (Spra­chen, Natur­wis­sen­schaf­ten, Tech­nik, Hand­werk etc.) anbo­ten. Die Gefan­ge­nen durf­ten auch klei­ne Gär­ten anle­gen, in denen sie Gemü­se anbau­ten.

Im Okto­ber 1945 waren nur noch weni­ge Hun­dert Gefan­ge­ne im Lager Bret­zen­heim unter­ge­bracht. Bis zu sei­ner Auf­lö­sung am 31. Dezem­ber 1948 wur­de Bret­zen­heim als Durch­gangs­la­ger für alle die­je­ni­gen deut­schen Kriegs­ge­fan­ge­nen benutzt, die ent­we­der noch nach Frank­reich zum Arbeits­ein­satz abkom­man­diert waren oder aus Frank­reich zur end­gül­ti­gen Ent­las­sung in das Lager über­stellt wor­den waren. Unter ande­rem wur­den auch Kriegs­ge­fan­ge­ne, die zuvor in den USA, Groß­bri­tan­ni­en, der Sowjet­uni­on und ande­ren Län­dern inter­niert gewe­sen waren, nach Bret­zen­heim gebracht. Dort erhiel­ten sie dann ihre Ent­las­sungs­schei­ne. Nach Anga­ben des Doku­men­ta­ti­ons­zen­trums Bret­zen­heim sol­len über 750.000 Kriegs­ge­fan­ge­ne das Lager durch­lau­fen haben.

Erinnerung an das Lager

Das Kriegs­ge­fan­gen­la­ger in Bret­zen­heim gilt heu­te als eines der am bes­ten erforsch­ten Rhein­wie­sen­la­ger, wie zahl­rei­che Publi­ka­tio­nen von Erin­ne­rungs­be­rich­ten bis hin zu wis­sen­schaft­li­chen Tex­ten bele­gen.

Mahnmal Bretzenheim

Mahn­mal ‚Feld des Jam­mers‘ in Bret­zen­heim, Quel­le: Doku­men­ta­ti­ons­zen­trum Bretzenheim/Wolfgang Spietz

Heu­te erin­nert in Bret­zen­heim auf dem soge­nann­ten ‚Feld des Jam­mers‘ ein 1966 ein­ge­weih­tes Mahn­mal, das auf Initia­ti­ve der loka­len Bevöl­ke­rung, des Ver­bands der Heim­keh­rer und ehe­ma­li­ger Kriegs­ge­fan­ge­ner ein­ge­rich­tet wur­de, an das Lager. Eine 1985 ein­ge­rich­te­te Sam­mel- und Regis­trier­stel­le für Doku­men­te und Infor­ma­tio­nen zum Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­ger ent­wi­ckel­te sich bis heu­te zum „Doku­men­ta­ti­ons­zen­trum Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­ger“ bei der Orts­ge­mein­de Bret­zen­heim mit einer stän­di­gen Aus­stel­lung. Zudem fin­den dort regel­mä­ßig Gedenk­ver­an­stal­tun­gen statt.