Ludwigshafen-Rheingönheim

Das Lager Ludwigshafen-Rheingönheim (PWTE C2)

Offizielle Bezeichnung: Prisoner of War Temporary Enclosure C2
Geplante Kapazität: 100.000
Existenzdauer: Ende März 1945 bis Juli 1945

Aufbau und Struktur des Lagers

Das Lager im Ludwigshafener Vorort Rheingönheim grenzte sehr nah an die Ortschaft. Fotografie der US-Armee, 28. Mai 1945. Quelle: National Archives Washington, DC.

Das Lager im Ludwigshafener Vorort Rheingönheim grenzte sehr nah an die Ortschaft. Fotografie der US-Armee, 28. Mai 1945. Quelle: National Archives Washington, DC.

Ende März 1945 errichteten US-amerikanische Truppen außerhalb von Ludwigshafen, im Stadtteil Rheingönheim, ein ca. 100 ha großes Kriegsgefangenenlager für 100.000 Gefangene. Das Lager wurde auf den freien Flächen entlang des Rheins zwischen der Ortschaft Rheingönheim und der ortsansässigen Firma Gebrüder Giulini aufgebaut. Einige Familien mussten ihre Häuser räumen, da diese zu nah an das Lager grenzten. Dieses war von Stacheldraht und Wachtürmen umgeben und wurde von einer Straße in zwei Teile getrennt. In einer Baracke wurden die Lagerverwaltung und die Küche untergebracht. Neben den deutschen Soldaten sind auch Österreicher und 850 Ungarn bzw. Ungarndeutsche als Insassen des Lagers belegt.

Lebensbedingungen

Alltag im Lager Ludwigshafen-Rheingönheim. Fotografie der US-Armee, 28. Mai 1945. Quelle: National Archives Washington, DC.

Alltag im Lager Ludwigshafen-Rheingönheim. Fotografie der US-Armee, 28. Mai 1945. Quelle: National Archives Washington, DC.

Das Lager füllte sich schnell: Amerikanische Quellen, auf die sich die Maschke-Kommission in den 1970er Jahren bei ihren Forschungen bezog, vermerken für den 8. Mai 1945 bereits ca. 80.000 Gefangene. Im Gegensatz zu anderen Rheinwiesenlagern war das Lager in Rheingönheim nicht voll belegt: Der Höchststand war 90.000 Gefangene bei einem Lager, das für 100.000 Personen ausgelegt war. Ein Lagerbereich war für weibliche Gefangene reserviert. Diese erhielten – anders als in anderen Lagern – in Rheingönheim keine Zelte und mussten ebenso wie die männlichen Gefangenen im Freien campieren.

Nur langsam besserten sich die Situation und die Versorgung mit Lebensmitteln. Unter anderem trug die örtliche Bevölkerung dazu bei: Die Frauen von Rheingönheim organisierten zweimal Sammlungen für die im Lager internierten Männer und auch die Firma Gebr. Giulini spendete Decken und Nahrungsmittel. Bis zu Oberst Hoover drang der Oberbürgermeister von Ludwigshafen vor, um die Erlaubnis zu erbitten, helfen zu dürfen. Da eine Straßenbahnlinie von Rheingönheim nach Ludwigshafen nur wenige Meter vom Lagerzaun entfernt vorbei fuhr, gelang es auch, Lebensmittel und andere benötigte Gegenstände wie Kleidung in das Lager zu werfen, wie Zeitzeugen berichten. Von der Lagerleitung aus galt weiterhin ein Verbot für die deutsche Zivilbevölkerung, die Kriegsgefangenen mit Lebensmitteln zu versorgen. Viele Gefangene versuchten daher im Tauschhandel das Nötigste zu erhalten.

Für die medizinische Versorgung stand im Lager Ludwigshafen-Rheingönheim ein Zeltlazarett zur Verfügung, jedoch gab es nicht ausreichend Medizin und Fachpersonal. Dennoch sind angesichts der kriegsbedingt katastrophalen Rahmenbedingungen nur verhältnismäßig wenige Gefangene in dem Lager gestorben; deutsche Quellen von kirchlicher und staatlicher Seite verzeichnen elf Tote. Diese wurden auf den Friedhöfen in Ludwigshafen und Rheingönheim begraben. Wegen der äußerst schlechten Bedingungen kam es auch zu Fluchtversuchen, die zumeist wegen des von den Bewachern befolgten Schießbefehls tödlich endeten. Die Toten des Lagers wurden von dem evangelischen Ortspfarrer Kuntz und dem katholischen Priester Jöckle beerdigt. Die beiden Pfarrer hielten im Lager auch Gottesdienste ab. Hierfür hatten einige Kriegsgefangene ein ‚Sühnekreuz‘ an einem Ende der Lagerstraße errichtet.

Auflösung des Lagers

Das Lager in Ludwigshafen-Rheingönheim wurde bereits im Juli 1945 aufgelöst. Die Gefangenen waren entweder entlassen, in andere noch bestehende Kriegsgefangenenlager – vor allem nach Heilbronn – oder zu Wiederaufbauarbeiten nach Frankreich gebracht worden. Im August 1945 konnte das Gelände von Mitarbeitern der Firma Giulini geräumt werden und sie trugen die Gebäude sowie die Zäune ab. Die Felder wurden an die Besitzer zurückgegeben und die Menschen aus den nahen Häusern kehrten zurück.

Erinnerung an das Lager

Mahnmal in Rheingönheim

Mahnmal in Rheingönheim. Quelle: NS-Dokumentationszentrum Rheinland-Pfalz.

Nach der Auflösung des Lagers geriet dieses lange in Vergessenheit. Das Areal wurde zum Baugebiet für Firmen und Wohnhäuser sowie für eine Sportanlage. 1991 wurde auf Betreiben ehemaliger Kriegsgefangener ein Gedenkstein in der Mitte des vormaligen Lagerareals gesetzt, der an das Schicksal der 90.000 Insassen erinnern und an den Frieden mahnen soll. Am 8. Mai 1995 organisierten Gruppen vor Ort einen Mahngang zum 50-jährigen Jahrestag des Kriegsendes. Im Zeichen der Versöhnung verbanden sie die Erinnerung an die Judenverfolgung mit dem Kriegsgefangenenlager und den Bombentoten, die Ludwigshafen zu verzeichnen hatte.

Quelle

Schäfer, Walter: Das Kriegsgefangenen-Lager Ludwigshafen-Rheingönheim. PoW-Transit-Camp 1945. Der Versuch einer Dokumentation. o.O. 1990.