Erinnerung und Vereinnahmung heute

Die Bilder sind an vielen Gedenktagen wie dem Volkstrauertag an den Mahnmalen für die Rheinwiesenlager ähnlich: Rechtsextreme nutzen den historischen Ort für Kundgebungen und Aufmärsche. Sie betonen in ihren Reden vor allem das Leid der deutschen Zivilisten, die in den Lagern inhaftiert waren, und beschuldigen die amerikanischen Streitkräfte des geplanten Mordes an Unschuldigen. Dabei blenden sie den historischen Kontext aus, verschweigen die Bedingungen, unter denen die Lager errichtet worden sind, und führen völlig überhöhte Todeszahlen an, die nicht durch die Forschung belegt werden können. Dadurch werden die Gefangenenlager und das Schicksal der dort Inhaftierten propagandistisch missbraucht. Neonazis und andere antidemokratische Gruppierungen nutzen auch gezielt das Internet, um dort falsche, übertrieben oder aus dem Zusammenhang gerissene Informationen und Halbwahrheiten zu verbreiten.

Zahlreiche Vereine und Gruppen haben sich daraufhin in den Orten, an denen es Kriegsgefangenenlager gab, zusammengefunden, um über die Geschichte der Lager zu forschen und das Wissen an Interessierte weiterzugeben. An Gedenktagen organisieren sie Gegenveranstaltungen, Mahnwachen und ökumenische Friedensgebete, um die Wirkung der ‚rechten‘ Demonstrationen einzuschränken und ihnen ein Zeichen entgegenzusetzen.

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Kapelle ‚Schwarze Madonna‘ in Remagen, Quelle: Friedensmuseum Brücke von Remagen.

Heute halten lokale Initiativen die Erinnerung an die Kriegsgefangenenlager in Remagen und Sinzig auf vielfältige Weise, etwa durch Mahnveranstaltungen, wach. 1987 wurde eine Kapelle für die ‚Schwarze Madonna‘ – eine Statue des Kriegsgefangenen Adolf Wamper, der schon während der NS-Zeit ein erfolgreicher Bildhauer gewesen war – zur „Mahnung zum Frieden“ eingerichtet. Das Friedensmuseum Brücke von Remagen thematisiert in seiner Ausstellung die Lager Remagen und Sinzig.