Rheinwiesenlager

Errichtung und Aufbau

Die US-Armee errichtete im Zeitraum von April bis Juli 1945 zahlreiche Kriegsgefangenenlager entlang des Rheins, unter anderem in Bretzenheim, Remagen und Sinzig. Sie bezeichneten sie offiziell als Prisoner of War Temporary Enclosures (PWTE) und nummerierten sie von A1 bis A19 sowie C1 bis C4 durch.  Ein errichtetes Lager in Urmitz wurde nie in Betrieb genommen. Darüber hinaus gab es weitere, teilweise nur wenige Wochen bestehende Sammellager unter anderem in Eckelsheim, die keine offizielle PWTE-Bezeichnung erhielten. Dort herrschten allerdings dieselben Zustände wie in den anderen Lagern entlang des Rheins. Auf den provisorischen Charakter, der aus der Not geboren wurde, weist bereits die offizielle Bezeichnung der Lager als „Prisoner of War Temporary Enclosures“ (PWTE) hin, was den Begriff „temporary“ (engl. für ‚zeitweise‘, ‚vorübergehend‘) aufgreift. Da die Amerikaner die Gefangenen nicht lange unter ihrer Kontrolle behalten wollten, etablierten sie keine ausgebauten Lager mit Lagerordnungen. Alles wurde von der Überzeugung getragen, dass diese Lager nur eine provisorische Einrichtung darstellen und vieles konnte in der kurzen Zeit nur ungenau geregelt werden. Dies war eine Ursache für die chaotischen Verhältnisse im Frühjahr und Sommer 1945.

Viele der Rheinwiesenlager grenzten sehr nah an Ortschaften, wie hier in Ludwigshafen-Rheingönheim, wo die Zäune direkt an die Häuser reichten. Fotografie der US-Armee, 28. Mai 1945. Quelle: National Archives Washington, DC.

Viele der Rheinwiesenlager grenzten sehr nah an Ortschaften, wie hier in Ludwigshafen-Rheingönheim, wo die Zäune direkt an die Häuser reichten. Fotografie der US-Armee, 28. Mai 1945. Quelle: National Archives Washington, DC.

Die Entscheidung für die Standorte am Rhein wurde beeinflusst durch das Vorhandensein großer, freier Flächen, auf denen die Lager eingerichtet werden konnten. Der Rhein diente dabei als natürliche Grenze und die amerikanischen Verantwortlichen konnten davon ausgehen, dass eine Rückeroberung dieser Gebiete durch die deutsche Armee ausgeschlossen war. An alle Lager grenzten Dörfer oder Städte mit einem Bahnanschluss, wodurch Weitertransport- und Versorgungsmöglichkeiten gegeben waren. Die Amerikaner trennten mit Stacheldraht Ackerbereiche unter freiem Himmel ab und teilten sie in kleinere Einheiten, sogenannte Cages bzw. Compounds ein, die jeweils 5.000 bis 10.000 Gefangene umfassten. Die Gefangenen durften diese Cages nicht beziehungsweise nur in Ausnahmefällen verlassen. Ein Lager bestand aus zehn bis 20 dieser Cages, die von amerikanischen Soldaten bewacht wurden. Ein Kontakt zwischen den Cages war kaum möglich, da sie oft durch einen mit Stacheldraht abgesperrten Weg voneinander abgetrennt waren. Die Rheinwiesenlager waren mit insgesamt über einer Millionen Gefangenen vollkommen überfüllt, waren sie doch für ursprünglich weitaus weniger Menschen vorgesehen.

Die Lager standen zunächst unter US-amerikanischer Kontrolle. Bis zu 40.000 amerikanische Soldaten der 106.US-Infanterie-Division waren für die Bewachung, die Organisation und die Sanitätsdienste an die Lager abgestellt. Für die Bewachung einiger Lager wurden auch Displaced Persons (DPs) eingesetzt. Die interne Verwaltung überließen die Alliierten den deutschen Gefangenen. So übernahmen einige der Gefangenen organisatorische Aufgaben als Lagerleiter, Campleiter, Tausendschafts-, Hundertschafts- und Zehnerschaftsführer. Andere arbeiteten als Ärzte, Sanitäter, Köche, Handwerker und Lagerpolizisten.

Karte_der_Rheinwiesenlager

Zur Karte: Übersicht der Rheinwiesenlager mit offizieller amerikanischer Bezeichnung (PWTE = Prisoner of War Temporary Enclosure)