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Herz­lich will­kom­men auf den Sei­ten der Lan­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung Rhein­land-Pfalz (LpB) zu den alli­ier­ten Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­gern ent­lang des Rheins.

In den letz­ten Mona­ten des Zwei­ten Welt­kriegs – im März, April und Mai 1945 – gerie­ten Mil­lio­nen deut­scher Sol­da­ten in Kriegs­ge­fan­gen­schaft. Die alli­ier­ten Streit­kräf­te waren auf eine solch gro­ße Zahl von Kriegs­ge­fan­ge­nen in einer so kur­zen Zeit­span­ne nicht aus­rei­chend vor­be­rei­tet. Daher wur­den die Sol­da­ten sowie uni­for­mier­te oder ver­däch­ti­ge Zivi­lis­ten zunächst in pro­vi­so­ri­schen Lagern am Rhein – den soge­nann­ten Rhein­wie­sen­la­gern – inter­niert. Wäh­rend es an Unter­künf­ten, Nah­rung und Medi­zin für alle Men­schen in Deutsch­land man­gel­te, war auch das Leben der Kriegs­ge­fan­ge­nen gekenn­zeich­net von Hun­ger, Krank­hei­ten und völ­lig unzu­rei­chen­den hygie­ni­schen Ver­hält­nis­sen. Die meis­ten der ab April 1945 errich­te­ten Lager bestan­den nur weni­ge Mona­te oder Wochen und wur­den bereits im Som­mer bzw. Herbst 1945 wie­der auf­ge­löst.

Kriegs­ge­fan­ge­ne im Lager Rhein­berg gru­ben sich als Schutz vor den Wit­te­run­gen Löcher in die Erde. Foto­gra­fie der US-Armee, 3. März 1945. Quel­le: Natio­nal Archi­ves Washing­ton, DC.

Heu­te sind die Rhein­wie­sen­la­ger, ihre Ursa­chen und Fol­gen zumeist nicht mehr bekannt. Wenn dar­an erin­nert wird, ent­ste­hen oft ste­reo­ty­pe Vor­stel­lun­gen des Leids, die den his­to­ri­schen Hin­ter­grund aus­blen­den. Ver­tre­ter der extre­men Rech­ten nut­zen die The­ma­tik und ver­brei­ten fal­sche, über­trie­be­ne oder aus dem Zusam­men­hang geris­se­ne Dar­stel­lun­gen der Bedin­gun­gen in den Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­gern, um Stim­mung gegen demo­kra­ti­sche Wer­te zu machen. Die Rhein­wie­sen­la­ger müs­sen aber mit dem poli­ti­schen und mili­tä­ri­schen Gesche­hen vor 1945 in Ver­bin­dung gebracht wer­den, denn die Lager sind eine Fol­ge der NS-Dik­ta­tur, des von Deutsch­land aus­ge­hen­den Zwei­ten Welt­kriegs sowie der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit.

Die Lan­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung Rhein­land-Pfalz setzt sich daher für die his­to­ri­sche Auf­ar­bei­tung der The­ma­tik ein. 2012 fand unter dem Titel „Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­ger 1939–1950. Kriegs­ge­fan­ge­nen­schaft als The­ma der Gedenk­ar­beit“ eine Fach­ta­gung statt, in der bekräf­tigt wur­de, dass die Rhein­wie­sen­la­ger mit dem Gesche­hen vor 1945 in Ver­bin­dung gesetzt wer­den müs­sen und nicht iso­liert betrach­tet wer­den kön­nen. Denn die Lager sind eine Fol­ge der NS-Dik­ta­tur, des von Deutsch­land aus­ge­hen­den Zwei­ten Welt­kriegs sowie der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit. Einer Instru­men­ta­li­sie­rung durch rechts­ex­tre­me Krei­se und dem damit ein­her­ge­hen­den unwür­di­gen Umgang mit dem Schick­sal der deut­schen Kriegs­ge­fan­ge­nen wer­den wis­sen­schaft­li­che Fak­ten ent­ge­gen­ge­setzt. Die­se Inter­net­sei­te dient des­halb als infor­ma­ti­ve und fun­dier­te Hand­rei­chung für Inter­es­sier­te, Leh­rer und ande­re Mul­ti­pli­ka­to­ren.

Autorin: Chris­tia­ne Weber
Redak­ti­on: Uwe Bader
Ver­ant­wort­lich: LpB Rhein­land-Pfalz — Refe­rat Gedenk­ar­beit


Gedankt wird dem Doku­men­ta­ti­ons­zen­trum Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­ger Bret­zen­heim sowie den Regio­nal­his­to­ri­kern mit Schwer­punkt Rhein­wie­sen­la­ger in Rema­gen und Sin­zig für wert­vol­le Hin­wei­se und viel­fäl­ti­ge Unter­stüt­zung.