Diez

Das Lager Dietz (PWTE A19)

Offizielle Bezeichnung: Prisoner of War Temporary Enclosure A19
Exis­tenz­dau­er: ab Ende März/Anfang April 1945

Ansprech­part­ner vor Ort: Stadt­ar­chiv Diez | Arno Bau­mann | Pfaf­fen­gas­se 27 | 65582 Diez |  E-Mail: info@archivdiez.de. Hin­weis: Im Archiv sind kei­ne Quel­len zum Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­ger erhal­ten.

Das nationalsozialistische Kriegsgefangenenlager Stalag XII A Limburg wurde Anfang 1945 durch Luftangriffe zerstört. Fotografie 1945. Quelle: Arno Baumann,  Diez.

Das natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­ger Sta­lag XII A Lim­burg
wur­de Anfang 1945 durch Luft­an­grif­fe zer­stört. Foto­gra­fie 1945. Quel­le: Arno Bau­mann,
Diez.

Die Nationalsozialisten nutzten das Areal vor Kriegsende zur Unterbringung ihrer Kriegsgefangenen. Fotografie ca. 1941. Quelle: Arno Baumann, Diez.

Die Natio­nal­so­zia­lis­ten nutz­ten das Are­al vor Kriegs­en­de zur Unter­brin­gung
ihrer Kriegs­ge­fan­ge­nen. Foto­gra­fie ca. 1941. Quel­le: Arno Bau­mann, Diez.

Aufbau und Struktur des Lagers

In Diez gab es seit Beginn des Zwei­ten Welt­kriegs 1939 bereits ein Durch­gangs­la­ger der deut­schen Wehr­macht, das eine Flä­che von 23 Hekt­ar umfass­te und in dem bis zu 43.000 aus­län­di­sche Sol­da­ten inter­niert wur­den. Im Sta­lag XII A Lim­burg, wie die Natio­nal­so­zia­lis­ten die­ses Lager ab April 1940 bezeich­ne­ten, wur­den zahl­rei­che ame­ri­ka­ni­sche, bri­ti­sche, bel­gi­sche, pol­ni­sche, sowje­ti­sche, fran­zö­si­sche, ita­lie­ni­sche und wei­tere Sol­da­ten der geg­ne­ri­schen Arme­en fest­ge­hal­ten. Bei einem Flie­ger­an­griff der Alli­ier­ten auf Lim­burg wur­de das Lager durch Bom­ben getrof­fen. Am 27. März 1945 wur­den die Kriegs­ge­fan­ge­nen befreit und die ame­ri­ka­ni­schen Trup­pen nutz­ten das Lager nun ihrer­seits als Lager für gefan­gene deut­sche Sol­da­ten.

Lebensbedingungen

30.000 bis 35.000 deut­sche Kriegs­ge­fan­gene – dar­un­ter die Mehr­heit Sol­da­ten der Wehr­macht – waren in Diez inter­niert. Eini­ge der Gefan­ge­nen konn­ten von Anfang an in den noch erhal­te­nen Bara­cken unter­ge­bracht wer­den. Der größ­te Teil der Gefan­ge­nen muss­te jedoch auch hier unter frei­em Him­mel cam­pie­ren. Im Lau­fe der Zeit ver­bes­ser­ten sich die Bedin­gun­gen und die ame­ri­ka­ni­schen Ver­ant­wort­li­chen lie­ßen sani­täre Ein­rich­tun­gen ein­bau­en. Sie konn­ten hier­bei auf die beste­hende Lager­struk­tur zurück­grei­fen.

Des­wei­te­ren gab es ein Lager­la­za­rett, das aus Hei­des­heim nach der Auf­lö­sung des dor­ti­gen Lagers im Juni 1945 nach Diez ver­legt wor­den war.

Auflösung des Lagers

Das Lager in Diez wur­de am 10. Juli 1945 von den ame­ri­ka­ni­schen Trup­pen an die Fran­zo­sen über­ge­ben, da die­ses in deren Besat­zungs­zo­ne lag. Zu die­sem Zeit­punkt befan­den sich noch ca. 22.000 Gefan­ge­ne im Lager. In der Fol­ge wur­den die Gefan­ge­nen ent­we­der ent­las­sen, in ande­re Lager ver­legt oder zu Repa­ra­ti­ons­ar­bei­ten nach Frank­reich gebracht. Die fran­zö­si­schen Ver­ant­wort­li­chen funk­tio­nier­ten mit der Zeit das Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­ger in ein Inter­nie­rungs­la­ger um: Von 1946 bis 1948 – soweit der aktu­el­le For­schungs­stand – inter­nier­te die fran­zö­si­sche Armee dort ver­däch­ti­ge Zivi­lis­ten und ehe­ma­li­ge NS-Funk­tio­nä­re. Spä­ter wur­de das Lager als Camp für Dis­pla­ced Per­sons, also Holo­caust­über­le­ben­de sowie aus­län­di­sche Zwangs­ar­bei­ter, genutzt, die dort ihre Emi­gra­ti­on in ande­re Län­der vorbereiteten.1956 wur­de das Are­al an die deut­sche Bun­des­wehr über­ge­ben, die eine Kaser­ne ein­rich­te­te.

Erinnerung

Das Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­ger in Diez unter­schei­det sich stark von ande­ren Rhein­wie­sen­la­gern. Zwar lis­te­ten die ame­ri­ka­ni­schen Alli­ier­ten das Lager in ihren Über­sich­ten mit Lagern wie Rema­gen oder Bret­zen­heim auf, aller­dings konn­te in Diez auf Struk­tu­ren und Gebäu­de eines ehe­ma­li­gen deut­schen Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­gers zurück­ge­grif­fen wer­den. Das Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­ger Diez kann also nur bedingt zu den Rhein­wie­sen­la­gern gezählt wer­den.

Quelle

Bau­mann, Arno: „Luft­an­griff auf Lager“. In: Rhein-Lahn-Zei­tung vom 24. Okto­ber 2009, S. 19.
Bau­mann, Arno: „Kriegs­ge­fan­ge­ne lit­ten in Die­zer Lager“. In: Rhein-Lahn-Zei­tung vom 21. Okto­ber 2009, S. 11.